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Herzlich willkommen im Hugenottendorf Kelze

Mayence in Kelze

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Dorf_Ortseingang_AS_20080522_450 Mayence_2008_AS_02_k Blick auf Kelze
Alljährlich wird am 1. Sonntag im Mai von Mädchen das traditionsreiche Mayence-Fest gefeiert. Die Mädchen ziehen in Trachten mit dem ca. 3-jährigen Mayence-Mädchen mit einer zuvor hergestellten Blumenkrone von Haus zu Haus und singen ein überliefertes französisches Lied.
Fotogalerien
Diese Mayence-Tradition ist ein einmaliges Fest, das nur in Kelze gefeiert wird. Man nimmt an, dass die Geschichte der Mayence auf der Hugenottenverfolgung in Frankreich im 17. Jahrhundert beruht. Auf der langen Flucht von Frankreich nach Deutschland verlor eine Hugenottengruppe ein kleines Mädchen im Alter von ca. 3 Jahren. Der Weg der Gruppe führte nach Kelze. Eine andere Flüchtlingsgruppe fand das Mädchen und nahm es bei sich auf. Zufällig fand auch diese Gruppe ihre neue Heimat in Kelze, sodass das Mädchen und ihre Familie wieder zusammenfanden. Aus Freude über das wiedergefundene Kind feierten die Mädchen aus Kelze ein Fest, welches bis heute noch immer als Mayence-Tradition weitergeführt wird.
„Zum anderen sollte die Mayencetradition nicht losgelöst von dem Herkunftsland der Hugenotten betrachtet werden. Sie kamen aus Südfrankreich, das bekanntlich von der römischen Besatzung stark geprägt war.
Bei den Römern war die Maia eine Göttin. Sie war Symbol für die Fruchtbarkeit und die weibliche Tugend. Die Tradition der „Maye“, wie die kleine Mayence in der Provence genannt wird, ist also ein sehr alte fest verankerte Tradition in Südfrankreich.“ 1
„In vielen Orten Südfrankreichs, wo vergleichbare Maienfeste den Jahresablauf im Dorf mitbestimmten, sind diese Feste längst nicht mehr lebendig und nur noch Gegenstand historischer Forschung. Im Refuge, im fernen Deutschland, hat sich der Brauch gehalten. Flüchtlinge bewahrten das, was in der Heimat längst in Vergessenheit geriet.“ 2

 

Die Konfirmandinnen des jeweiligen Jahrgangs suchen sich ein Kelzer Mädchen im Alter von ca. 3 Jahren aus. Am 1. Sonntag im Mai sammeln die Mädchen vormittags im Dorf Blumen, um daraus im Haus der Mayence eine Blumenkrone zu erstellen.
Am Nachmittag wird die Mayence von den Mädchen des Dorfes, angeführt von den Konfirmandinnen, durch das Dorf geführt. An jeder Haustür singen sie das traditionelle Mayence-Lied und bekommen Eier und Geld. Anschließend findet ein kleines Fest im Hause der Mayence statt. Der Mayencespruch ist nicht mehr übersetzbar. Eine der versuchten Niederschriften lautet wie folgt:

„bon jour, wette qui le brümme jour de mai, lolladi, lotzebou per le sess de carline bousse de messe. Donner par notre mayence l'ard, sester, gent."

 Literatur:
- Reyhn, Chantal und Desel, Jochen: Die Kelzer Mayence, Das Kelzer Mayence-Lied, Evangelischer Gesamtverband,Hofgeismar – 1989
- Desel, Jochen: Kleine Chronik der Kelzer Mayence, s.o.
- Berndt, Gabriele: 300 Jahre Hugenottendorf Kelze 1699 - 1999 : ... wie lebten sie damals ... ; ... wie leben wir heute . ...

 Anmerkungen:
- 1 Das Kelzer Mayence-Lied, Eine Analyse von Chantal Reyhn, Göttingen, in:
  Chantal Reyhn und Jochen Desel, Die Kelzer Mayence, Evangelischer Gesamtverband,Hofgeismar – 1989
- 2 Kleine Chronik der Kelzer Mayence, von  Jochen Desel, s.o.

Eine Auflistung der Mayence-Mädchen der letzten Jahre finden Sie hier.

Um das Andenken an das Mayencefest schon jetzt zu konservieren wurde im Hofgeismarer Heimatmuseum eine eigene Vitrine eingerichtet, die ein Bild von dem Fest vermitteln und den Besuchern anhand von ausgestellten Figuren näherbringen soll.
Auch die alte silberne Spardose, die das Mayencekind lange Zeit durch das Dorf trug, ist mittlerweile als Leihstück von Ella Berndt in die Ausstellung übergegangen. So wird altes Brauchtum für nachfolgende Generationen nicht nur in Kelze selbst bewahrt.

Diese Seite wurde aktualisiert am: 14.06.2011